XCOM Das Brettspiel

Xcom01Alles begann 1994, das erste Videospiel zu XCOM erschien in Deutschland unter dem Titel UFO: Enemy Unknown. Es folgten mehrere Nachfolger bis es still um die XCOM-Reihe wurde. Einige inoffizielle Titel versuchten an die alten Erfolge anzuknüpfen. Dann 2012 wurde mit XCOM: Enemy Unknown ein Remake des Klassikers von Firaxis auf den Markt gebracht. Genau auf die jüngste Inkarnation der XCOM-Reihe bezieht sich XCOM Das Brettspiel, auf deutsch erschienen beim Heidelberger Spieleverlag. Das englische Original wurde von Fantasy Flight Games veröffentlicht. Design-technisch hat man sich am Videospiel orientiert, das fällt direkt auf, wenn man das Cover des Brettspiels mit dem des Videospiels vergleicht.

Xcom02Ein Blick auf die Rückseite der Spielschachtel verrät einem in vielen Fällen schon etwas mehr über das Spiel das einen erwartet. So ist es auch bei XCOM Das Brettspiel, der Einleitungstext versucht einen gleich so richtig auf das Spiel einzustimmen. Da heißt es unter anderem: Die menschliche Zivilisation steht am Rande des Abgrunds. Um die Erde zu retten, wurde eine internationale Verteidigungsinitiative gegründet. Ihr Codename lautet XCOM. Weiterhin wird gleich klar gestellt, dass es sich um ein kooperatives Brettspiel handelt und dass eine digitale App benötigt wird, die das Spiel begleitet. Die App gibt es für IOS und Android, aber auch für alle gängigen Webbrowser. Ohne App ist das Spiel nicht spielbar! Ein weiterer großer Teil der Rückseite wird von einem exemplarischen Aufbau des Spielbretts eingenommen. Spielkarten werden hier ebenso abgebildet, wie die detaillierten Kunststoffmodelle für Ufos, Abfangjäger und Soldaten. Mehr zum Inhalt der Spielschachtel erfährt man auch in unserem Ausgepackt zu XCOM. Komplettiert werden die Informationen durch eine Auflistung des Spielmaterials und den technischen Daten (1-4 Spieler, ab 14 Jahre, ca. 60-120 Minuten) des Spiels.

Material und Spielregel
Xcom35Das Spielmaterial zu XCOM Das Brettspiel ist von gewohnt guter Qualität und besteht aus 1 Spielplan, 1 Erste-Schritte-Heft, 1 achtseitigem Würfel, 4 sechsseitigen Spezialwürfel, 8 Plastik-Abfangjäger, 12 Plastik-Soldaten, 24 Plastik-UFOs, 4 Charakter-Übersichtskarten, 5 Invasionsplankarten, 7 Reservekarten, 12 Einsatzkarten, 15 Ausstattungskarten, 28 Technologiekarten, 32 Krisenkarten, 63 Feindkarten, 1 XCOM-HQ-Marker, 1 Stützpunkt-Schadensmarker, 1 Bedrohungsmarker, 4 Elitemarker, 6 Panikmarker, 8 Satellitenmarker, 8 Wissenschaftlermarker, 18 Erfolgsmarker, 29 Creditmarker. Während die Figuren durchweg aus Kunststoff bestehen, sind die Marker aus stabilem Karton gefertigt.

Das Erste-Schritte-Heft besteht aus vier Seiten und erläutert die grundlegende Spielidee und den Aufbau des Spiels. Alle benötigten Regeln werden über die App vermittelt, bzw. lassen sich dort nachlesen. Als Einstieg bietet die App ein Tutorial, das den Spielern die unterschiedlichen Mechanismen ausführlich erläutert, an.

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Spielziel
Bei XCOM Das Brettspiel geht es gemeinsam gegen die Aliens. Gelingt es, die Einsätze der ausgewählten Invasionsplankarte zu erfüllen, gewinnt man gemeinsam das Spiel. Die Invasionsplankarte wird durch die XCOM-App aktiviert. 

Spielvorbereitung
Zunächst wird die App für das Spiel benötigt. Die App gibt es sowohl als Download-App als auch als Online-Tool, die App ist für alle Systeme kostenlos. Ohne App kann XCOM Das Brettspiel nicht gespielt werden. Jetzt kann mit dem Aufbau der übrigen Spielkomponenten begonnen werden. Der Spielplan kommt auf den Tisch, jeder Spieler bekommt das Spielmaterial passend zu der Rolle, die er im Spiel übernimmt. Bei den Rollen wird zwischen Central Officer, Commander, Forschungsleiter und Einsatzleiter unterschieden. Für jede Rolle sieht die Auslage etwas anders aus, grundsätzlich steht aber eine Reserve in Form von Markern oder Figuren zur Verfügung. Außerdem verfügt jede Rolle über einen Satz Ausstattungskarten die offen ausgelegt werden. Mit Hilfe der App werden die weiteren Vorbereitungen getroffen. Ein Invasionsplan wird bestimmt, der Stapel der Feindkarten wird zusammengestellt, die Panikmarker werden gemäß des gewählten Schwierigkeitsgrades auf dem Spielplan platziert und der XCOM-HQ-Marker auf einem vorgegebenen Kontinent abgelegt.

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Spielablauf
Eine Partie XCOM Das Brettspiel wird über mehrere Runden gespielt. Die eingesetzte App bestimmt die Abfolge der Aktionen innerhalb einer Runde, die Kontrolle über die App übernimmt der Spieler des Central Officer. Eine Runde besteht aus einer Echtzeitphase und einer Auswertungsphase. Während der Echtzeitphase werden durch die App unterschiedliche Aktionen ausgelöst, die dann vom zuständigen Spieler durchgeführt werden können/müssen. Für jede Aktion steht unterschiedlich viel Zeit zur Verfügung, ein Timer zählt die Sekunden herunter. Mittels der Aktionen werden die unterschiedlichen Spielfelder des Spielplans bestückt, der Forschungsleiter leitet Forschungsprojekte ein und teilt seine Wissenschaftler zu, der Central Officer platziert angreifende UFOs und organisiert die Orbitale Verteidigung, der Commander verwaltet die Finanzmittel und kümmert sich um den Einsatz der Abfangjäger und der Einsatzleiter teilt seine Soldaten für Einsätze und die Verteidigung des Hauptquartiers ein. Die Reihenfolge der Aktionen variiert, dadurch ergibt sich ein gewisses Maß an Unsicherheit bei der Planung der Aktionen.

Nach der Echtzeitphase wird die Auswertungsphase eingeläutet. Während  man bei der Echtzeitphase unter Zeitdruck stand, erfolgt die Auswertung der Aktionen nun ohne einen Timer. Die Auswertung der Aktionen folgt einer festen Reihenfolge. Beginnend mit der Überprüfung der Finanzmittel, über Forschung, Abwehr von UFOs, bis hin zur Auswertung der Einsätze durch den Einsatzleiter. Hier kommen jetzt auch die sechseitigen Spezialwürfel und der rote achtseitige Würfel (Alien-Würfel) zum Einsatz. Die Spezialwürfel zeigen auf 2 Seiten ein Erfolgsymbol, die restlichen Seiten sind leer. Mittels der Spezialwürfel versucht man die benötigte Anzahl an Erfolgen zu würfeln, um eine Aktion erfolgreich zu absolvieren. Erschwerend dazu wird gleichzeitig der Alien-Würfel geworfen, solange man mit diesem über dem stetig steigenden Bedrohungswert würfelt darf man weiter machen, andernfalls scheitert die Aktion und man muss die Konsequenzen (Verlust von Abfangjägern, etc.) ausführen. Erfolge können auch über mehrere Runden angesammelt werden. Während der Auswertungsphase werden ein paar Parameter von der App abgefragt, da diese das weitere Spiel beeinflussen. Das Spiel endet, wenn entweder das letzte Paniklevel von zwei Kontinenten erreicht, das XCOM Hauptquartier zerstört, oder der Invasionsplan erfolgreich erledigt wurde. In den ersten beiden Fällen gewinnen die Aliens, wurde der Invasionsplan abgeschlossen gewinnen die Spieler.

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Fazit
Es ist schon etwas seltsam ein Spiel zu haben ohne eigentliche Spielanleitung. Das Erste-Schritte-Heft bietet hier nur einen rudimentären Einstieg. Eine Materialaufzählung gibt es, die Spielvorbereitung wird auch beschrieben und dann noch die Wertung erörtert, so dass man seinen High-Score ermitteln kann. Ohne Smartphone, Tablet oder PC geht es nicht weiter. Denn der Einsatz der App ist Pflicht. Dabei stellte sich uns die Frage, was passiert wenn mitten im Spiel der Strom weg ist? Also vom Gerät? Kann man dann auch mit einem anderen weiterspielen?

Neben dem Erste-Schritte-Heft und der App ist das Spielmaterial zu XCOM Das Brettspiel sehr gut gearbeitet, die Marker sind stabil und ließen sich gut aus dem Stanzbogen lösen, die Figuren sind sehr detailliert und verlangen fast nach einer Bemalung. Alle Spielkarten sind von guter Qualität und die relevanten Spielinformationen lassen sich sowohl auf den größeren Spielkarten, wie auch auf den Karten mit kleinerem Formfaktor gut lesen.

Zu Anfang gab es doch die ein oder anderen Vorbehalte zum Einsatz einer App bei einem Brettspiel. Doch die Skepsis wurde schnell entkräftet. XCOM Das Brettspiel verbindet gekonnt die Mechaniken eines kooperativen Spiels und die Funktionen einer digitalen App. Der Zeitdruck, der in der Echtzeitphase aufgebaut wird, verlangt, dass alle Spieler als Team agieren. Wenn jeder seine Aufgaben kennt, dann bekommt man das Spiel immer besser in Griff. Dank der hinterlegten Regeln und einer FAQ kann man auch während eines Spiels die entsprechenden Passagen nachlesen. Technisch wie auch spiel-mechanisch hat die App sehr gut funktioniert.

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In meinen Augen spielt sich XCOM Das Brettsspiel am Besten in Vollbesetzung, dann übernimmt jeder Spieler eine Rolle und kann sich primär auf sein Ressort konzentrieren. Selbstverständlich sollte man auch die Aktionen der Mitspieler in Betracht ziehen und Hilfestellungen geben. Nur wenn man eine gemeinsame Vorgehensweise abstimmt, hat man die Chance zum Sieg. In der ersten Partie, welche wir zu zweit gespielt hatten, musste jeder 2 Rollen übernehmen. Da wir noch nicht wussten, wie die einzelnen Entscheidungen ineinander greifen und worauf man achten sollte, scheiterten wir kläglich an der erdrückenden Überzahl der UFOs. Zu viert lief es dann zwar besser, aber auch hier war der Knackpunkt die Überzahl der UFOs, welche das Paniklevel der Kontinente in den kritischen Bereich verschob und zur Niederlage führte. Die Abwehr der UFOs ist immens wichtig, aber auch die Abhandlung der Einsatzkarten sollte priorisiert werden. Ein erfolgreicher Einsatz verschafft meistens etwas Entlastung im Bereich der Paniklevel. Außerdem richtet sich der Zeitpunkt der Aktivierung der Invasionsplankarte nach der Anzahl der erledigten Einsatzkarten.

Eine gute Planung ist jedoch bei XCOM Das Brettspiel nicht alles; wenn Fortuna nicht mitspielt, dann scheitert auch die beste Strategie. Bei einer Erfolgschance von 1/3 pro Würfel kann man schon so manches mal verzweifeln. Besonders ärgerlich sind Fehlschläge immer dann, wenn die eingesetzten Ressourcen verloren gehen und man nicht mehr über die nötigen Credits für eine Ersatzbeschaffung verfügt, von den weiteren negativen Auswirkungen auf den Spielverlauf mal abgesehen.

XCOM Das Brettspiel macht Spaß und weckt den Ehrgeiz, wenn man gegen die Aliens unterlag, gleich noch einen neuen Versuch zu starten um die Welt zu retten. Bei XCOM Das Brettspiel hat man eine sehr gute Symbiose zwischen Brettspiel und digitaler App geschaffen. Meiner Ansicht nach müssen sich an dieser Verschmelzung, andere Spiele, die versuchen einen ähnlichen Weg zu gehen, messen lassen.

 

Ich danke dem Heidelberger Spieleverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: XCOM Das Brettspiel
Autor: Eric M. Lang
Verlag: Heidelberger Spieleverlag, FFG
Anzahl: 1-4 Spieler
Alter: ab 14 Jahre
Dauer: ca. 60-120 Minuten
Jahr: 2015
Preis: 44,95 Euro (UVP Heidelberger, Stand 19.09.2015)

 

 

 

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