Die Staufer

Staufer01Bei einem Spieltitel wie Die Staufer von Andreas Steding liegt es nahe, im Geschichtsbuch nachzulesen wer denn die Staufer überhaupt waren. Nun habe ich allerdings kein Geschichtsbuch vor mir liegen, aber es gibt ja das Internet und Suchmaschinen. Die Staufer gelten als das bedeutsamste und einflussreichste Adelsgeschlecht des Mittelalters. Von Friedrich I. Barbarossa werden wohl die meisten schon gehört haben. Das reicht mir jetzt aber auch an geschichtlichem Ausflug, schließlich geht es hier um das Brettspiel Die Staufer.

Staufer02Einen etwas ausführlicheren Rückblick auf die Geschichte der Staufer, als mein Einführungstext hergibt, liefert der Text auf der Schachtelrückseite. Im weiteren Verlauf wird auch auf das Spielgeschehen selbst eingegangen: Ihr reist mit Heinrich VI. durch sein Reich. Mit Geschick und Weitsicht setzt ihr euer Gefolge an die Zügel der Macht, was euch spannende Vorteile verschafft. Doch die Schachtelrückseite bietet noch weitere Informationen. So gibt es Informationen über den Autor Andreas Steding, das Spielmaterial wird in Wort und Bild vorgestellt und auch die technischen Daten (2-5 Spieler, ab 12 Jahren, ca. 20 Minuten pro Spieler) werden genannt.

Material und Spielregel
Staufer26Wie bei allen Spielen des Hans im Glück Verlags, die mir gefallen, ist auch bei Die Staufer einiges an schönem Spielmaterial enthalten. Der Spielplan wird aus einem zentralen Aktionstableau gebildet, um das 6 Regionen in zufälliger Reihenfolge gelegt werden. Diese Regionen sind beidseitig bedruckt, die eine Seite ist für ein Spiel zu zweit, die andere für alle übrigen Besetzungen. Diese Teile sind ebenso aus stabilem Karton wie die 6 Punkte-Plättchen, das Nachschub-Tableau, die 72 Truhen (12x orange, 28x türkis, 10x braun, 18x violett), die Zählleiste, die 15 25er Plättchen sowie die 5 100er Plättchen, die 19 Rundenplättchen und die 2 Wertungsmarker. Im kleinen Spielkartenformat sind 35 Privilegien- und 18 Auftragskarten enthalten. Ebenfalls zum Spielmaterial gehören 75 Gesandte, 15 Adelige und 20 Familienmitglieder, die in den 5 Spielfarben Gelb, Blau, Grün, Rot und Schwarz dabei sind, sowie eine violette Königsfigur. Sämtliche Spielfiguren sind aus Holz. Das Spielmaterial hatte ich in einem Ausgepackt ja bereits hier gezeigt.

Neben einer 16seitigen Spielanleitung, die ausführlich auf das Material, den Spielaufbau und den Spielablauf eingeht, gibt es noch ein 4seitiges Beiblatt mit Erläuterungen zu Truhen, Privilegien, Rundenplättchen, Regionenboni  und Auftragskarten sowie eine stabile Spielübersicht mit Hilfen zu Startaufstellung und Rundenende.

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Spielziel
Auch bei Die Staufer dreht sich alles um Siegpunkte, denn der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt das Spiel. Siegpunkte gibt es während des eigenen Zuges für bestimmte Truhen und Privilegien, in den Regionenwertungen am Ende jeder Runde und am Spielende in der Schlusswertung.

Spielvorbereitung
Staufer32Ein wenig Vorbereitung ist schon nötig, bevor es zum Spielen selbst geht. Die Spielanleitung nimmt einen hier Punkt für Punkt an die Hand, so dass die Vorbereitung recht leicht fällt. Zunächst muss der Spielplan aus dem Aktions-Tableau und den Regionen gebildet und mit den Punkte-Plättchen bestückt werden. Um den Spielplan herum werden an den gekennzeichneten Stellen noch "zufällige" Truhen platziert. Auch das Nachschubtableau erhält "zufällige" Truhen. Die 25er und 100er Plättchen werden nun noch neben die Zählleiste gelegt. Auch die Privilegien-Karten müssen vorbereitet werden. Hier spielt die Spieleranzahl ebenso eine Rolle wie bei den Regionen und dem Nachschubtableau. Jeder Spieler beginnt mit 4 Gesandten und einem Adeligen im persönlichen Vorrat sowie einer Auftragskarte aus jeder der drei Kategorien. Mit den Familienmitgliedern wird die Spielerreihenfolge auf dem Aktionstableau festgelegt. Schließlich wird aus den Runden-Plättchen eine Tabelle geschaffen, die angibt, welche Regionen am Ende jeder Runde gewertet werden und wie weit sich der König bewegt. Das verbliebene Plättchen gibt die Startregion des Königs an.

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Spielablauf
Alles beginnt mit dem Einsetzen der Familienmitglieder auf dem Aktions-Tableau. Gewählt werden kann zwischen der Nachschub-Leiste und der Einsetz-Leiste. Wählt man die Nachschubleiste, so gibt es Spielfiguren und möglicherweise noch Truhen. Im anderen Fall werden Spielfiguren auf dem Spielfeld eingesetzt. Der ersten beiden Spieler bekommen zusätzlich ebenfalls Spielfiguren, sind in der nächsten Runde aber garantiert die Letzten, die wählen dürfen.

Hat sich ein Spieler für das Bewegen und Einsetzen entschieden, so muss er seinen Weg mit Spielfiguren bezahlen; dabei wird jeweils eine Spielfigur sowohl auf jede durchquerte Region als auch auf die Zielregion abgelegt. Dann erst kann eine weitere Spielfigur in der Zielregion aufgestellt und die zugehörige Truhe genommen werden. Adlige dürfen hierbei auf jedes Feld gestellt werden, Gesandte dagegen nur auf den "Nicht-Adelsfeldern".

Truhen bringen dem Spieler entweder sofort Siegpunkte, Gesandte oder Adelige, einmalig einen Vorteil wie beispielsweise keine Bewegungkosten zahlen müssen, Siegpunkte am Ende des Spiels oder führen zu einem Privileg. Weniger Kosten bei der Bewegung oder zusätzliche Siegpunkte sind Beispiele für Privilegien.

Wenn jeder Spieler seine drei Aktionen durchgeführt hat, kommt es zur Wertung. Welche Regionen gewertet werden wird durch die A- und B- Plättchen der jeweiligen Runde bestimmt. In diesen Regionen werden die Figuren der Spieler gezählt; befinden sich Adlige darunter, zählen diese doppelt. Bei der Verteilung der Punkte, die Höhe wird durch das ausliegende Plättchen bestimmt, zählen die jeweiligen Mehrheiten. Auch der Regionenbonus wird so verteilt.

Als Letztes kommt die Aufräumphase. In den gewerteten Regionen werden die Amtssitze geräumt und die Spielfiguren in die Region gelegt sowie Truhen unter jeden Amtssitz platziert. Auch unter jedes Feld des Nachschub-Tableaus kommen neue Truhen. Dann zieht der König weiter. Aus den Bezahlbereichen der Regionen, die der König hierbei betritt, kommen die Spielfiguren wieder zu den Spielern zurück. Nun noch die Runden-Plättchen dieser Runde abräumen und die Wertungsmarker verteilen. Zum Schluss wird die Spielerreihenfolge festgelegt. Hierzu werden zunächst alle Figuren der Nachschub-Leiste und anschließend alle Figuren der Einsetz-Leiste auf die mittlere Leiste geschoben.

In der letzten Runde entfällt die Aufräumphase. Stattdessen findet eine Schlusswertung statt. Hierbei bringen erfüllte Auftragskarten sowie gewisse Truhen noch Siegpunkte. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

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Fazit
Wie bisher immer bei meinen Spielen vom Hans im Glück Verlag ist auch das Spielmaterial von Die Staufer von guter Qualität. Symbole und Schrift lassen sich gut erkennen, und mir gefällt auch die Gestaltung der Plättchen und Tafeln. Aber letzteres ist sowieso immer Geschmacksache.

Die Spielzeitangabe ist realistisch, in unserer ersten fünfer Partie haben wir zwar 2 Stunden für eine Partie gebraucht, aber es mussten während des Spiels auch einige Fragen beantwortet werden. Besonders die Bedeutung der einzelnen Symbole hat man zu Beginn doch nicht alle im Kopf. Hierbei war das Beiblatt sehr hilfreich, denn dort werden Truhen Privilegien, Rundenplättchen, Regionenboni und Auftragskarten ausführlich erklärt. Die Spielregel selbst lässt sich auch gut lesen, und es sind aussagekräftige Bilder und Beispiele vorhanden.

Das Spiel Die Staufer funktioniert nicht nur in jeder Besetzung, sondern ließ sich flüssig spielen und hat mir auch immer Spaß gemacht. Die Anpassung des Spielmaterials an die Anzahl Spieler ist gelungen. In kleinerer Runde wurden bei meinen Spielen dann oft nur eine Region gewertet, während es in Vollbesetzung fast immer zwei Provinzen waren. Teilweise gab es auch große Punkteunterschiede, aber gestört hat das niemanden.

Da es keinen festen Spielplan gibt und auch die Truhen und Punkte-Plättchen zufällig platziert werden, ist jeder Spielaufbau anders. Ebenso wird bei den Wertungen variiert, da die Runden-Plättchen für jede Partie neu "zusammengesetzt" werden. Durch das Ziehen der Auftragskarten haben die Spieler dann auch noch unterschiedliche Zielsetzungen. So bleibt das Spiel Die Staufer interessant, da jedes Spiel anders verläuft.

Auch wenn die Spielregeln einfach sind, Die Staufer ist kein ganz einfaches Spiel, sondern stellt einen gewissen Anspruch, ist aber auch nicht zu schwer. Am Besten passt es in die Schublade Kennerspiel.

Während des Spiels werden einige Entscheidungen erwartet. Nachschub-Leiste oder Einsetz-Leiste? Mit dieser Frage fängt es an. Nachschub ist immer gut, zumal man in der nächsten Runde dann recht früh wieder auswählen und agieren kann. Wer aber eines der ersten Felder auf der Einsetz-Leiste belegt, bekommt zusätzlich einen oder zwei Gesandte, ist in der neuen Runde jedoch recht spät dran. Dafür ist aber der Platz in der Zielregion mit der guten Truhe noch frei. Je früher man sich also auf dem Plan bewegt, desto besser. Und wie weit soll man gehen? Jeder Schritt kostet schließlich eine Spielfigur, die es nicht unbedingt in der nächsten Runde zurück gibt.

Gut finde ich in dem Zusammenhang, dass man immer weiß, wann und ob man seine Spielfigur zurück bekommt, denn die Schrittweite des Königs in den jeweiligen runden ist ja durch die Runden-Plättchen festgelegt.

Für mich ist Die Staufer ein gelungenes Spiel, obwohl, oder vielleicht auch weil hier die Siegpunkte und nicht der geschichtliche Hintergrund dominierend sind.

 

Vielen Dank an Hans im Glück für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Spiel: Die Staufer
Autor: Andreas Steding
Illustration: Franz Vohwinkel
Verlag: Hans im Glück
Anzahl: 2-5 Spieler
Alter: ab 12 Jahre
Dauer: ca. 20 Minuten/Spieler
Jahr: 2014
Preis: 34,99 Euro (Spiele-Offensive.de, Stand 18.09.2015)

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