Das Vermächtnis

DasVermaechtnis01 Das Vermächtnis steht in großen Buchstaben auf der Spielschachtel, die hier vor mir liegt, und lässt mich erst einmal an Begriffe wie Tod, Erbe und Testament denken. Doch darum geht es bei diesem Spiel von Michiel Hendriks gar nicht. Sondern eher um den Aufbau einer Dynastie. Erst der Untertitel, Stammbaum der Macht, und ein genauer Blick auf das Cover lassen Rückschlüsse auf das eigentliche Spielthema zu.

DasVermaechtnis02Wir schreiben das Jahr 1729. Als wohlhabender und gebildeter Aristokrat verfügst du über genügend Weitblick, um die historischen Veränderungen vorauszusehen. Du musst neue Bande knüpfen, um die Stammtafel deiner Familie anwachsen zu lassen. So beginnt der Text auf der Rückseite der Spielschachtel, in dessen weiteren Verlauf das Spielgeschehen selbst näher erläutert wird. Die Abbildungen dort, die für mich wie Zeichnungen aussehen, liefern zudem einen ersten Eindruck vom Spielmaterial, welches daneben auch aufgelistet wird. Die technischen Daten (1-4 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 45-75 Minuten) sind nicht nur auf der Rückseite, sondern auch auf den Schachtelseiten und dem Cover zu finden.

Material und Spielregel
Vermaechtnis03In der Spielschachtel befinden sich ein Spielplan und 4 Spielertableaus aus stabilem Karton. Jedes Spielertableau ist beidseitig bedruckt und kann sowohl in der Mehrspielervariante als auch beim Solospiel genutzt werden. Aus etwas dünnerem Material sind 34 Münzen (20x Wert 1, 14x Wert 2) enthalten. Die 12 Spielermarker und 8 Spielersteine sind ebenso aus Holz wie die 15 zusätzlichen Aktionssteine und der Rundenmarker.

Das Herzstück des Spiels sind jedoch die 260 Karten im "kleinen" Format. Hier gibt es 4 Familienoberhaupt-Karten, die, je nach gewählter Seite, das männliche oder weibliche Familienoberhaupt darstellen. Weiter gehts mit 75 Freundeskarten, 88 Kinderkarten, 24 Geldkarten, 9 Titelkarten, 9 Gemeinwohlkarten, 6 Fördererkarten, 15 Aufgabenkarten, 7 Herrenhauskarten, 7 Unternehmenskarten, 15 Hinweiskarten und einer Startspielerkarte.

Die Spielanleitung im Schachtelformat umfasst 24 Seiten.

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Spielziel
Bei Das Vermächtnis heißen die Siegpunkte Reputation und werden auf der Reputationsleiste dargestellt. Während des Spiels gibt es diese direkt durch verschiedene Aktionen, beispielsweise die Bewältigung von Aufgabenkarten oder wenn man zum Gemeinwohl beigetragen hat. Desweiteren wirken sich Ansehen und Kinderzahl beim Generationswechsel auch auf die Reputation aus. Am Ende der dritten Generation werden zudem die Fördererkarten ausgewertet. Schließlich gewinnt der Spieler mit der höchsten Reputation.

Spielvorbereitung
Vermaechtnis13Ein wenig Zeit benötigt der Spielaufbau schon. In die Mitte des Tisches kommen der Spielplan und rechts davon die Gemeinwohlkarten, links die Titelkarten, darunter die Freundeskarten und darüber die zusätzlichen Aktionssteine. Auf dem Spielplan selbst finden die Kinder-, Herrenhaus-, Unternehmens- und Aufgabenkarten ihren Platz. Je nach Spieleranzahl müssen einige Stapel angepasst werden, so gibt es in einem Spiel zu Zweit jeweils nur 3 Herrenhaus- und Unternehmenskarten. Der Rundenmarker kommt auf Feld 1 der Generationsanzeige.

Jeder Spieler bekommt zudem ein Spielertableau, das zugehörige Familienoberhaupt sowie Spielermarker und Spielersteine in seiner Spielfarbe. Das Familienoberhaupt bestimmt die mögliche zusätzliche Aktion zu Beginn und legt zudem die Anzahl der Handkarten und die Höhe des Einkommens, das jetzt auch ausgezahlt wird, fest. Die Spielermarker kommen auf die Anfangswerte von Reputations-, Einkommens- und Ansehensleiste.

Spielablauf
Vermaechtnis14Gespielt wird über 3 Generationen mit unterschiedlich vielen Runden, zwischen den Runden gibt es immer wieder Geldzahlungen in Höhe des Einkommens, am Ende jeder Generation werden zusätzlich noch Reputationspunkte für Ansehen und Kinder verteilt. Weitere Reputationspunkte gibt es nach der dritten Generation, wenn die auf der Fördererkarte genannten Bedingungen zutreffen. Die einzelnen Spielabschnitte werden über den Rundenanzeiger auf der Generationsanzeige angezeigt.

In den Runden haben die Spieler die Möglichkeit, die verschiedenen Aktionen durch Einsetzen ihrer Spielermarker und der zusätzlichen Aktionssteine, falls vorhanden, zu wählen. Die eigenen Spielermarker können überall, die zusätzlichen Aktionssteine jedoch nur für die "farbrichtige" Aktion eingesetzt werden. Für die Aktionen des Spielplan gilt außerdem, dass sie nur einfach besetzt werden dürfen.

Als Aktion stehen auf dem eigenen Spielertableau Heirat bzw. Hochzeit arrangieren (für die nächste Generation), Kinder bekommen, Freunde um Geld bitten und Kontakte knüpfen zur Verfügung. Der Spielplan bietet zudem die Aktionen Titel erwerben, Fruchtbarkeitsarzt anheuern, Herrenhaus erwerben, Unternehmen gründen, Aufgabe annehmen und zum Gemeinwohl beitragen. Je nach gewählter Aktion muss mit Münzen, Freundeskarten, Ansehen, Einkommen oder Reputation bezahlt werden.

Bei einer Heirat beispielsweise wird eine Freundeskarte von der Hand neben ein unverheiratetes Familienmitglied gelegt. Diese Karte legt fest, was nun passiert. Müssen Kosten für die Hochzeit bezahlt werden oder gibt es eine Mitgift? Darf man offene Freundeskarten auf die Hand nehmen? Gibt es Auswirkungen auf Einkommen oder Ansehen? In fast allen Fällen wird auch eine Kinderkarte gezogen, und sofern es keine Komplikationen gibt, unter dem Paar abgelegt.

Die genauen Spielregeln können bei Pegasus Spiele im Internet nachgelesen werden.

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Fazit
Das Spielmaterial ist von guter Qualität. Die Symbole sind sowohl auf dem Spielplan und den Spielertableaus als auch auf den diversen Karten gut zu erkennen. Die Gemälde auf den Freundeskarten haben besonderen Eindruck hinterlassen und zu so macher spitzfindigen Bemerkung geführt. Auch die Texte der Freundeskarten bereiten keine Schwierigkeiten, bei den Förderer- und Aufgabenkarten war jedoch für mich, bedingt durch Kartengröße und Textmenge, meine Mitspieler hatten da keine Probleme, öfter mal ein zweiter Blick nötig.

Die Spielanleitung ist sehr ausführlich gehalten, das gesamte Spielmaterial wird zudem in Wort und Bild vorgestellt. Neben der Beschreibung des "normalen" Spiels sind auch einige Seiten den Solovarianten gewidmet.

Das Vermächtnis ist eins der wenigen Spiele, bei denen ich neugierig auf die Solovarianten wurde, denn normalerweise mag ich keine Brettspiele allein spielen. Bei den Solovarianten müssen einige Freundeskarten aussortiert werden. Leider sind diese Karten nicht besonders gekennzeichnet, so dass ich nach den Namen aussortieren musste.

Die Standard Solovariante habe ich als langweilig empfunden, es war eigentlich nichts anderes als das normale Spiel, nur dass die Berufe der ausliegenden Freundeskarten die entsprechende Aktion blockieren. Die Konkurrenz meiner Mitspieler hat mir hier gefehlt.

Weitaus interessanter finde ich die Erbschafts-Variante. Man ist selbst entweder Patrick oder Nathalie, mit Angelique und Laurent als Eltern, von deren Eltern weiß man jedoch nichts. In dieser Variante gilt es nun, alles mögliche über die Vorfahren herauszufinden. Wer waren Sie? Wer waren ihre Eltern? Gab es Geschwister? Auch bei dieser Variante geht es um Reputation, aber genauso wichtig ist es, alle Hinweiskarten zu erfüllen, denn nur dann gewinnt man die Erbschaftsvariante.

Die meisten Partien gab es jedoch in größerer Runde. Das Vermächtnis hat in jeder Gruppengröße funktioniert, Wartezeiten gibt es kaum. Zum Einen wird immer nur eine Aktion durchgeführt, zum Anderen kann man in dieser Zeit über seine eigene nächste Aktion nachdenken.

In meinen bisherigen Spielrunden war jeder recht schnell mit den Regeln vertraut, zumal die Generationsanzeige den Spieler gut durch das Spiel leitet, so dass man sich wirklich auf das Thema einlassen und seine Dynastie bestmöglich ausbauen konnte. Während des Spiels ist man ständig in der Zwickmühle, welche Aktion man mit seinen zwei eigenen Spielsteinen denn wählen möchte. Die Familie vergrößern ist wichtig, Herrenhäuser und Unternehmen bringen Vorteile, aber auch Titel und das Gemeinwohl stehen auf der Wunschliste. Und für fast alles braucht man Geld und Freunde. Und dann ist da noch das Ziel von der eigenen Fördererkarte, möglicherweise möcht man noch Aufgabenkarten lösen.

Durch die Zufälligkeit der Aufgaben- und Freundeskarten sind auch die Ziele und die Möglichkeiten, diese zu erreichen, von Partie zu Partie unterschiedlich.

Bei mir punktet Das Vermächtnis besonders durch die Thematik, gerade die Konstruktion der jeweiligen Dynastie kann eine Geschichte erzählen. Während einer Partie gab es für meine Dynastie nur immer weiblichen Nachwuchs, die Erstgeborene entschied sich für einen Don Juan. In der folgenden Generation kamen noch ein Spion und ein Erpresser in die Familie. So kann es gehen, wenn es nur Töchter gibt, und man gleichzeitig keine standesgemäßen Heiratkandidaten auf der Hand hat.

Interessant war es auch immer wieder zu sehen, dass es die kinderreichen Dynastien kaum zu Unternehmen brachten und auch nichts für das Gemeinwohl taten. Dies blieb eher denjenigen überlassen, die weitgehend auf Kinder verzichteten.

Mal schauen, welche Lebensgeschichten bei der nächsten Partie geschrieben werden.

 

Ich danke Pegasus Spiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: Das Vermächtnis
Autor: Michiel Hendriks
Illustration: Mateusz Bielski
Verlag: Pegasus Spiele
Anzahl: 1-4 Spieler
Alter: ab 10 Jahre
Dauer: ca. 45-75 Minuten
Jahr: 2014
Preis: ca. 34,95 Euro (Pegasus Shop, Stand 18.11.2014)

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