Maus und Mystik

MausMystik01Maus und Mystik ist ein Spiel vom Heidelberger Spieleverlag, auf das ich neugierig war, seitdem ich die Spielfiguren das erste Mal gesehen hatte. Bereits letztes Jahr (2013) konnte ich dann das erste Einführungskapitel spielen und besitze jetzt auch selbst ein Exemplar.

Hier hatte ich bereits das Spielmaterial von Maus und Mystik gezeigt.

MausMystik02Es war einmal ... ein Königreich, über das ein guter König herrschte. Doch war er einsam, denn er hatte keine Frau. Und so zog er seinen Sohn Collin ganz allein groß. Dies könnten auch die ersten Sätze eines Märchens sein, wie es sicher jeder aus seiner Kindheit kennt. Hierbei handelt es sich um die Geschichte von Collin, der mit seinen Gefährten einige Abenteuer bestreiten muss, wie auch der weitere Text auf der Schachtel verrät. Die Spieler schlüpfen in die Rollen der verschiedenen Charaktere, und müssen die Abenteuer gemeinsam bestehen, ähnlich wie bei Descent oder Die Legenden von Andor.

Zudem liefert die Schachtelrückseite einen ersten Eindruck vom Spielmaterial, da es sowohl Abbildungen als auch eine Liste der Inhalts gibt. Die technischen Daten (1-4 Spieler, ab 7 Jahren, ca. 60-90 Minuten) sind dort ebenfalls zu finden.

Material und Spielregel
MausMystik44In der Schachtel befindet sich einiges an Spielmaterial. Aus stabilem Karton sind die 8 doppelseitigen Spielplanteile sowie die 2-teilige Schicksalstafel. Diverse Marker (24 Käsestücke, 33 Treffer/Vergiftet-Marker, 6 Gegnermarker, 2 Mausefallen, 1 Ende-Marker, je 4 Marker für "Betäubt", "Eingesponnen" und "Verhext", 5 Marker für individuelle Erfolge,  1x Brodilmarker, 1x Berthamarker, 1x Königsmarker, 1x Abflussrohrmarker, Gruppengegenstände: 1x Verkleidung, 1x Angelhaken, 1x Gabel, 1x Katzenminze, 1x Vanestras Bürste, 1x Krallenhorn und 2x Traube) sind aus dem gleichen Material dabei. Die 6 Heldenbögen sind aus dünnerem Material. Des Weiteren sind 6 Mäuseheldenfiguren (Collin, Tilda, Rex, Maginos, Finger und Lilly) und als Gegner 6 Ratten, 1 Hundertfüsser, 1 Spinne und 8 Schaben aus Kunststoff enthalten. 5 6-seitige Spezialwürfel gehören ebenfalls zum Spielmaterial. Außerdem gibt es 71 Suchkarten und 18 Begegnungkarten im "normalen" Spielkartenformat sowie 28 Maus-Fähigkeitskarten und 19 Initiativekarten für Helden und Gegner im "kleinen" Format.

Die beiliegenden Hefte sind kleiner als DIN A4. Das Regelheft hat 22 Seiten. Bevor der Spielaufbau und die eigentlichen Regeln dort erklärt werden, werden die Heldenbögen und die verschiedenen Kartenarten erläutert, dabei sind zahlreiche Abbildungen zur Erklärung vorhanden.

Das Geschichtenbuch nennt sich Trauer & Erinnerung und hat 58 Seiten. Es besteht aus einem Prolog, der vorgelesen werden sollte und der eigentlichen Geschichte, die aus 11 Kapiteln besteht. Den Abschluss bildet ein Epilog, der ebenfalls vorgelesen wird. Zwei Seiten für eigene Notizen sind außerdem vorhanden.

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Spielziel
Jeder Spieler ist Teil der gleichen Heldengruppe. Jedes Kapitel hat ein Ziel, das erreicht werden muss. Im ersten Kapitel ist dies die Flucht nach Borkenheim. Die Mäuse müssen zum knorrigen alten Baum im Burghof. Wenn sich dort keine Gegner mehr befinden und mindestens eine Maus den Baum erreicht, haben die Spieler gesiegt. Ist das Kapitel jedoch vorher zu Ende oder sind alle Mäuse gefangen worden, so haben die Spieler verloren.

Spielvorbereitung
MausMystik45Etwas Zeit ist für die Spielvorbereitung schon nötig. Hat man sich für ein Kapitel entschieden, so werden zunächst die entsprechenden Bodenpläne, und daneben die Schicksalstafel, gelegt. Auch die Karten und Marker kommen in Griffweite. Beim Aufbau sind die jeweiligen Kapitelsonderregeln zu beachten.

Jeder Spieler sucht sich nun eine Maus aus und bekommt den Heldenbogen, die Initiativekarte und die Spielfigur. Aus den passenden Fähigkeitskarten sucht sich jeder Spieler noch eine aus. Möglicherweise muss der Spieler seine Maus auch noch mit einer Waffe und/oder einer Rüstung ausrüsten.

Im Anschluss daran "betreten" Mäuse und Gegner den ersten Raum. Die Initiativekarten von Mäusen und Gegnern werden gemischt und auf der Reihenfolgeleiste der Schicksalstafel ausgelegt. Mit Hilfe von Sanduhr-Marker und Kapitelende-Marker wird nun die Länge des Kapitels auf der Schicksalstafel angezeigt.

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Spielablauf
Es wird solange gespielt, bis das Kapitel beendet, also der Sanduhr-Marker den Kapitelende-Marker erreicht hat. Der Sanduhr-Marker wird während des Spiels unter bestimmten Bedingungen bewegt, beispielsweise wenn  das 6. Stück Käse auf das Käserad gelegt wurde und die Gegner Verstärkung bekommen.

MausMystik50Üblicherweise liest ein Spieler den Text der Geschichte vor. Anschließend beginnt dann das eigentliche Spiel, indem zunächst die Bedingungen für Sieg und Niederlage genannt werden. Die Reihenfolge der Initiativekarten der Mäuse und Gegner auf der Schicksalstafel legen die Spielreihenfolge fest.

Das große Ziel für das erste Abenteuer ist das Erreichen des knorrigen alten Baums im Burghof. Auf dem Weg dahin müssen die Mäuse mehrere Räume durchqueren. Um von einem Raum zum anderen zu gelangen, müssen die Mäuse jedoch zunächst die Gegner im aktuellen Raum ausschalten und anschließend die Aktion Erkunden nutzen. Im Burghof angekommen gewinnen die Spieler das Kapitel,  wenn mindestens eine Maus den Eingang des Baums erreicht, und alle Gegner dort ausgeschaltet sind. Wurden dagegen alle Mäuse gefangen oder ist gar das Kapitel zu Ende, haben die Spieler verloren.

In ihrem Zug kann sich eine Maus bewegen, eine Aktion (Wuseln, Angreifen, Suchen, Erholen, Erkunden) und zusätzlich freie Aktionen (Tauschen, Ausrüsten, Ein Level aufsteigen) ausführen. Gegner können sich nur bewegen und angreifen. Bewegung und Handlung der Gegner werden vom Spiel vorgegeben.

Die Würfel spielen bei Maus und Mystik eine große Rolle, denn über sie geschehen unter anderem Bewegung, Kampf, Verteidigung und Suchen.

Je nach Probe und Befähigung/Ausrüstung der Maus werden unterschiedlich viele Würfel geworfen. Generell werden bei der Bewegung und beim Suchen je ein Würfel geworfen. Für die Bewegung ist die gewürfelte Zahl wichtig, zu dieser addiert man seinen Geschwindigkeitswert und erhält so die maximalen Bewegungspunkte. Für eine erfolgreiche Suche wird ein Stern als Würfelergebnis benötigt. Abhängig von der Angriffsart zählen die Schwert- oder Bogensymbole auf dem Würfel. Die Schilde dienen der Verteidigung. Das letzte Symbol auf dem Würfel bildet das Käsestück. Ein durch einen Helden im Kampf erwürfeltes Käsesymbol bringt einen Käsemarker. Helden können mit diesen Markern besondere Fähigkeiten aktivieren oder eine Stufe aufsteigen. Vom Gegner erwürfelte Käsesymbole füllen das Käserad und lassen die Zeit im Spiel voranschreiten.

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Fazit
Mir gefällt das Spielmaterial ausgesprochen gut. Die Spielplanteile sind optisch schön gestaltet, auch die Abbildungen auf den Karten wissen zu gefallen. Den positivsten Eindruck haben jedoch die Spielfiguren auf mich gemacht; die Mäuse und Ratten sind putzig anzusehen, selbst die übrigen Gegner sind nicht furchterregend.

Leider sind meine Spielplanteile an den Ecken und Kanten schon etwas beschädigt, da diese um einiges kleiner sind als die Spielschachtel, lässt sich das leider nicht so einfach verhindern.

In der Spielregel ist alles ausführlich erklärt, will man aber etwas auf die Schnelle nachlesen, so kann man schon etwas länger blättern. Vor der ersten Partie mit ungeduldigen Mitspielern sollte man auf jeden Fall das erste Kapitel zumindest angespielt haben, es sei denn man hat ein super gutes Gedächnis und sich wirklich alles Gelesene gemerkt.

Lässt man die Erzählabschnitte weg, so kann man Maus und Mystik zwar immer noch spielen und gewinnt auch Zeit, aber man verzichtet dann auch auf das Besondere dieses Spiels. Gerade die eingestreuten Erzählungen bewirken ja die phantastische Stimmung, in die die Spieler sich fallen lassen können. Dazu passt auch der Zeitdruck, der während eines Kapitels durch das Vorrücken der Sanduhr entsteht.

Als Maus und Mystik erschien, fragten sehr viele, ob das ein Descent nur mit Mäusen sei. Vergleicht man beide Spiele, so lassen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede feststellen. Bei beiden Spielen schlüpft man in die Rollen der Spielfiguren und erlebt Abenteuer. Während bei Maus und Mystik jedoch alle Spieler auf einer Seite stehen, gibt es bei Descent einen Spieler, der als Overlord der Gegenspieler der Gruppenspieler ist.

Eine größere Ähnlichkeit besteht in meinen Augen da eher mit Die Legenden von Andor. Ähnlich wie bei Die Legenden von Andor spielt auch die Geschichte selbst bei Maus und Mystik eine große Rolle, während dies bei Descent, vor allem in der ersten Edition, nicht so der Fall ist. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die kooperative Ausrichtung, die alle Spieler ständig in die Handlung involviert.

Auf mich übt Maus und Mystik immer noch einen Reiz aus, obwohl ich die Geschichte mittlerweile kenne. Dadurch dass man immer wieder andere Charaktere spielen kann und eine große Auswahl an Fähigkeiten zur Verfügung stehen, ist für ausreichend Abwechslung gesorgt. Zudem weiß man nie, welche Suchkarten gezogen werden und ob einem das Würfelglück gerade hold ist.

 

Ich danke dem Heidelberger Spieleverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: Maus und Mystik
Autor: Jerry Hawthorne
Grafik: John Ariosa
Verlag: Plaid Hat Games / Heidelberger Spielverlag
Anzahl: 1-4 Spieler
Alter: ab 7 Jahre
Dauer: ca. 60-90 Minuten
Jahr: 2013
Preis: ca. 42,95 Euro (UVP Heidelberger, Stand 10.10.2014)

 

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