K2

K2 2. Edition, 1-5 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 60 MinutenK2, genauso wie der Achttausender im Himalaya Karakorum (Danke Wikipedia) heißt das Spiel, das mir bereits im letzten Jahr (2010) auf der Spiel in Essen auffiel und jetzt als deutsche Ausgabe mit dem Titel K2 2.Ed. (Heidelberger Spieleverlag) vor mir liegt.

Das Cover zeigt ein Hochgebirge, im Vordergrund 2 Bergsteiger, eine weiteres Paar ist im Hintergrund zu erkennen, etwas weiter dann auch 4 kleine Zelte. Herausforderung am Lambha Pahar, recht dezent steht dieser Slogan am oberen Rand, während der Spieltitel K2, eingerahmt vom Autorennamen Adam Kałuża und der Auflagenangabe 2. Ed., fast wie ein Stempel wirkt.

Schachtelrückseite

Das Geräusch knirschender Steigeisen im Schnee durchdringt die eisige Stille des Karakorum-Gebirges. Eine matte Hand müht sich schwerlich ihren Eispickel in die Eiswand zu treiben. Leise vernimmst Du unter Dir den röchelnden Atem des Bergsteigers aus deiner Seilschaft, der gerade versucht seinen erschöpften Körper einen halben Meter weiter den Berg hinauf zu hieven. Mit diesen stimmungsvollen Sätzen beginnt der Text auf der Rückseite der Spielschachtel. Im folgenden Text wird auch auf das Spielgeschehen selbst eingegangen. Einen ersten Eindruck vom Spielmaterial liefert der Blick auf das Bild über dem Text. Dort sind die technischen Daten (1-5 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 60 Minuten) ebenso zu finden wie die Auflistung des Schachtelinhalts.

Material und Spielregel
SpielmaterialIn der Spielschachtel befindet sich ein doppelseitiger Spielplan aus stabilem Karton mit einer leichteren Sommerseite und einer schwierigeren Winterseite. Der Plan zeigt den K2 von Süden und weist, je nach Jahreszeit, unterschiedliche Routen auf. Die Routen setzen sich aus einzelnen Feldern zusammen. Auf vielen Feldern wird in gelb unterlegten Kreisen angegeben, wieviele Bewegungspunkte zum Betreten oder Zelt aufstellen dort nötig sind. Kreise mit rotem Hintergrund geben an, wieviel Akklimatisierungspunkte pro Tag abgezogen werden. Die Werte in den grünen Fähnchen geben die Siegpunkte an. Außerdem gibt es für jeden Höhenbereich Informationen, wieviel Bergsteiger sich gleichzeitig auf einem Feld befinden dürfen.

Aus etwas dünnerem Karton sind die 12 Wetterplättchen (jeweils 6 mit schönem und 6 mit schlechtem Wetter), die 5 Spielertafeln in den unterschiedlichen Spielerfarben Rot, Grün, Blau, Gelb und Violett (hier wird die Akklimatisierung der Bergsteiger markiert), 20 Risikomarker (4x Wert 0, 11x Wert -1, 5x Wert -2) sowie der Startspielermarker. Aus Holz dagegen sind der Wettermarker sowie die 20 Bergsteigerfiguren (5 Sets zu je 4 Figuren, jeweils 2 von 2 Arten), die 10 Zelte (5 Sets mit je 2 Zelten, die 2 Zeltformen entsprechen den beiden Bergsteigerarten) und die 10 Akklimatisierungsmarker (5 Sets mit je 2 Markern). Für jeden Spieler ist ebenfalls ein Satz Spielkarten enthalten, der aus 18 "normalen" Karten und einer Rettungskarte besteht, insgesamt sind es also 95 Spielkarten.

Die Spielanleitung ist im DIN A4 Format und umfasst 12 Seiten. Begonnen wird mit einer kurzen Erläuterung, was der K2 überhaupt ist. Der folgende Text beinhaltet die Abschnitte Einleitung und Spielziel, Spielmaterial, Spielvorbereitung, Spielablauf und Spielende. Beinah beiläufig wird auch die Familienvariante, also das Spiel mit Rettungskarte, erwähnt. Auf den letzten Seiten gibt es noch die Regeln für das Solitärspiel, eine Erläuterung des Spielplans und eine Rundenübersicht. Zahlreiche Bilder und Beispieler erläutern den Text.

Holzmaterial: Bergsteiger, Zelte und Akklimatisierungsmarker in den Spielerfarben sowie der Wettermarker Für jede Spielerfarbe gibt es einen Kartensatz Spielertafeln

Spielziel
Jeder Spieler führt ein Bergsteigerteam auf den K2. Gesteuert werden die einzelnen Aktionen mit Karten. Jeder Höhenabschnitt bringt Siegpunkte, je höher die Bergsteiger kommen, desto mehr Siegpunkte gibt es also. Sollte ein Bergsteiger allerdings nicht überleben, so erhält der Spieler nur einen Siegpunkt für ihn. Der Spieler, der am Ende des 18. Tages am erfolgreichsten war, d.h. die meisten Siegpunkte bekommen hat, gewinnt das Spiel.

Spielvorbereitung
Startbild bei zwei SpielernJe nach gewünschter Schwierigkeitsstufe wird zunächst der Spielplan und anschließend die Wetterplättchen ausgelegt. Letztere werden zunächst gemischt, zwei davon werden offen neben dem Spielplan ausgelegt und die übrigen unter dem rechten Plättchen gestapelt. Der Wettermarker wird auf den ersten Tag, das Feld ganz links, gesetzt. Für jeden Tag wird auf den Wetterplättchen angegeben, welche Effekte bezüglich Bewegungsweite und Akklimatisierung in den jeweiligen Höhen herrschen. Drei zufällige Risikomarker kommen offen neben den Spielplan, die übrigen verdeckt.

Das Wetter für 6 TageJeder Spieler bekommt nun noch das Spielmaterial seiner Farbe: 4 Bergsteiger-Figuren, 2 Zelte, 2 Akklimatisierungsmarker, eine Spielertafel, ein Set mit 18 Spielkarten und in der Familienvariante zusätzlich eine Rettungskarte. Zwei verschiedenförmige Bergsteiger kommen nun auf das Startfeld des Spielplans, die beiden anderen auf das unterste Feld der Siegpunktleiste. Die 2 Akklimatisierungsmarker werden auf der Spielertafel jeweils auf das Feld mit dem Wert "1" gesetzt.

Jeder Spieler mischt seinen Kartenstapel und nimmt 6 Karten auf die Hand. Der Spieler, der zuletzt in den Bergen war, bekommt den Startspielermarker.

Spielablauf
Es wird über 18 Runden, entsprechend einer 18-tägigen Expedition, gespielt. Die Runden bestehen aus fünf Phasen, wobei die Spieler meist gleichzeitig agieren:

1. Kartenwahl: Alle Spieler wählen 3 ihrer Karten aus und legen diese verdeckt vor sich ab. Wenn sich jeder entschieden hat, werden diese Karten gleichzeitig aufgedeckt.

2. Risikomarker: Jeder addiert nun die Bewegungspunkte seiner Karten, wobei immer nur die Aufwärtspunkte zählen. Der Spieler mit dem höchsten Wert muss nun einen der Risikomarker an sich nehmen. Anschließend wird ein weiterer Risikomarker umgedreht, so dass wieder drei offen ausliegen.

3. Aktionsphase: Beginnend mit dem Startspieler sind die Spieler nun einzeln am Zug. Die zuvor ausgelegten Karten bestimmen hierbei die Aktionen.

Für Bewegungskarten können Bergsteiger auf- oder abwärts bewegt oder Zelte aufgestellt werden. Wird der Bergsteiger auf ein höherwertiges Feld bewegt, so wird auch die entsprechende Figur auf der Siegpunktleiste bewegt.

Wird eine Akklimatisierungskarte gespielt, so wird der Marker eines Bergsteigers auf der Spielertafel weiter gezogen.

In dieser Phase muss auch der Risikomarker beachtet werden. Der Spieler kann wählen, ob er sich dem angegebenen Wert gemäß weniger bewegt, weniger Akklimatisierungspunkte hinzu gewinnt oder einem "aktiven" Bergsteiger entsprechend Akklimatisierungspunkte wegnimmt. Aktiv heißt, dass dem Bergsteiger mindestens eine Karte zugewiesen wurde. Falls der Marker den Wert "2" hat, ist es auch erlaubt, die Auswirkung beliebig aufzuteilen.

Spielplanausschnitt Sommerseite4. Akklimatisierungsprüfung:
Alle Spieler prüfen nun ihre Bergsteiger einzeln. Zum einen werden nun die Akklimatisierungspunkte des entsprechenden Feldes sowie, falls betroffen, die Werte der Wettertafel auf der Spielertafel abgezogen oder hinzugefügt. Falls ein Bergsteiger nun weniger als einen Akklimatisierungspunkt hat, stirbt er. In der Familienvariante kommt hier nun die Rettungskarte zum Einsatz. Seine Figur auf der Siegleiste wird auf das unterste Feld zurück gesetzt.

5. Rundenende:
Nach dem Ende der Runde wird der Startspielermarker weiter gegeben und der Wettermarker auf den nächsten Platz des Wetterplättchens gesetzt. Sollte dies das erste Feld des nächsten Plättchens sein, so wird dieses zusammen mit dem Marker nach links gelegt und ein weiteres wird sichtbar. Alle Spieler ziehen nun 3 Karten nach. Erst wenn die Spieler keine Handkarten mehr haben, mischt jeder Spieler seinen Ablagestapel.

Das Spiel endet, wenn der Wettermarker das letzte Feld erreicht hat. Die Runde wird noch beendet, anschließend addiert jeder Spieler seine Siegpunkte. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Gibt es einen Gleichstand, so gewinnt der Spieler, dessen Bergsteiger als Erster auf dem Gipfel war.

Startspielermarker und RisikomarkerDie unterschiedlichen Karten, rechts unten die Rettungskarte.3 Kartentypen: Bewegung, Akklimatisierung, Seil

SommerwetterSchwierigere WinterseiteWinterwetter

Fazit
Am liebsten würde ich ja jetzt einfach nur schreiben, das Spiel ist spannend bis zur letzten Sekunde, ich will wieder spielen, aber das ist dann doch nicht so mein Stil. Allerdings fällt es mir bei K2 ausgesprochen schwer, Negatives zu finden. Das Material ist durchweg in Ordnung. Die Gestaltung des Spielplans gefällt mir sogar gut,  zum einen ist der K2 selbst dort abgebildet, zum anderen entsprechen sogar die auf dem Spielplan eingezeichneten Wege annähernd einigen tatsächlich existierenden Routen. Das Aussehen der Spielkarten hat mir zu Anfang allerdings nicht so gefallen, aber die Bilder passen durchaus zur realistischen, mir fällt im Moment kein treffenderes Wort ein, Gestaltung des gesamten Spielmaterials.

Auch die Spielanleitung fällt nicht wirklich negativ auf. Die Texte sind alle verständlich geschrieben, wichtige Punkte sind durch Fettschrift hervorgehoben, Beispiele dagegen sind in kursiver Schrift und haben zusätzlich einen andersfarbigen Hintergrund, aber trotzdem ist alles gut lesbar. Zusätzlich gibt es zahlreiche erläuternde Bilder. Vielleicht ist die Familienvariante etwas versteckt, aber die Nutzung der Rettungskarte wird genau an der Stelle beschrieben, an der sie auch zum Zuge kommen würde. Zum Nachschlagen ideal ist auch die Abbildung des Spielplans mit allen Informationen auf der letzten Innenseite und die Rundenübersicht auf der letzten Seite.

Egal ob allein oder in Vollbesetzung, K2 lässt sich immer gut spielen und ist auch recht gut an unterschiedliche Spielerzahlen angepasst. Trotzdem gefällt mir das Spiel zu dritt am besten. Ist man allein oder zu zweit, kann man sich am Berg aus dem Weg gehen und behindert sich nicht gegenseitig; ist man zu viert oder fünft, kann es durchaus passieren, dass die Bergsteiger am Berg weder vorwärts noch rückwärts können, wenn die Handkarten und die freien Felder nicht zueinander passen. Andrerseits kann ich mir vorstellen, dass es auch in der Realität zu solchen Ereignissen kommen kann. Natürlich kann so eine Situation auch bewusst von einem Spieler provoziert werden.

Thema und Spielmechanik passen wirklich gut zusammen. Bisher war jede Partie spannend bis zum Schluss. Spätestens bei Überschreitung der 6000 Meter Marke steigt die Puls an. Jeder Schritt Richtung Gipfel muss hinterfragt werden. Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Welche Route ist die Beste? Lieber schnell vorwärts und anstrengend, oder langsamer und Kräfte schonen? Wo sollte ich mein Zelt aufschlagen? Soll ich das Risiko eingehen, schnell vorzustürmen? Oder lieber doch die nächste Schönwetterperiode abwarten?

Die Spieler, die sich gemerkt haben welche Karten sie schon gespielt haben sind hier natürlich im Vorteil. Denn was nützt der beste Plan, wenn die noch vorhandenen Karten nicht mitspielen.

Meine Testspieler neigten in der ersten Partie immer dazu, ganz schnell auf den Gipfel zu stürmen, und wurden dann sehr oft vom Wetter überrascht. In weiteren Partien wurde vorsichtiger agiert und so überlebten dann beide Bergsteiger.

Falls der Weg zum Gipfel irgendwann zu einfach wird, greift man eben zur Winterseite. Oder nimmt das Winterwetter. Auf diese Weise hat man schnell ganz andere Bedingungen und neue Herausforderungen. Und selbst wenn alle Konstellationen durchgespielt wurden, verliert K2 nichts an Spannung. Schließlich bestimmen immer noch das Wetter, die eigenen Karten und die Mitspieler den eigenen Erfolg am Berg.

 

Ich danke dem Heidelberger Spieleverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

 

Spiel: K2 2. Ed.
Autor: Adam Kałuża
Grafik: Jarek Nocoń
Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Rebel.pl
Anzahl: 1-5 Spieler
Alter: ab 8 Jahre
Dauer: ca. 60 Minuten
Jahr: 2011
Preis: ca. 28,00 Euro (Stand 08.12.2011)

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