Rex - Die letzten Tage eines Imperiums

Rex01Rex – Die letzten Tage eines Imperiums lautet der Titel des mir vorliegenden Spiels vom Heidelberger Spieleverlag. Wie man direkt dem Cover entnehmen kann, spielt Rex – Die letzten Tage eines Imperiums im Twilight Imperium-Universum, welches von Fantasy Flight Games für das gleichnamige Brettspiel erschaffen wurde. Das Cover zeigt im Hintergrund eine Silhouette von Mecatol City, der Thronwelt des Lazax-Kaisers. Der Vordergrund wird von den sechs spielbaren Rassen aus dem Twilight Imperium-Universum dominiert, dies sind die Lazax, die Jol-Nar, die Sol-Föderation, die Xxcha, die Hacan und die Letnev.

Rex02Die Herrschaft der Lazax über die Galaxis und ihre vielen Rassen besteht, seit sich deren Völker zurück erinnern können. Niemand vermag zu sagen, wann genau die Grundpfeiler ihres ewigen Imperiums durch Stagnation und Misstrauen zu bröckeln begannen. Dies sind die einleitenden Sätze auf der Rückseite der Spielschachtel, in weiteren Abschnitten wird die Ausgangssituation der Spielhandlung umrissen. Daran im Anschluss wird noch ein Ausblick auf den Spielmechanismus gegeben und worauf es im Kern bei dem Spiel ankommt. Die technischen Daten (3-6 Spieler, ca. 120-180 Minuten, ab 14 Jahren) sind ausschließlich auf der Rückseite vorhanden, hier geben auch einige Abbildungen einen ersten Eindruck vom Spielmaterial.

Wer bereits jetzt schon auf Grund der auf der Spielschachtel aufgeführten Spielmechanismen einen kleinen Aha-Effekt erlebt, der täuscht sich nicht. Die grundsätzlichen Spielmechanismen von Rex – Die letzten Tage eines Imperiums basieren auf dem Spiel Dune: Das Brettspiel von Avalon Hill von 1982 (Autoren: Bill Eberle, Jack Kittredge und Peter Olotka).

Material und Spielregel
Rex24Die Spielschachtel von Rex – Die letzten Tage eines Imperiums ist schon gut gefüllt und so einige Marker müssen vor dem ersten Spiel aus den Stanzbögen herausgedrückt werden, was auch ohne Probleme funktioniert. Aus stabilem Karton sind dabei: ein Spielplan, 120 Einheitenmarker (20 Hacan, 20 Jol-Nar, 15 Lazax, 5 Mechanische Lazax, 20 Letnev, 20 Sol, 20 Xxcha), 30 Anführermarker, 67 Einflussmarker, 8 Spielrunden-Vorhersagemarker, 5 Rassen-Vorhersagemarker, 1 Startspielermarker, 1 Zerstörter Schild-Marker und 1 Vernichteter Ort-Marker. Die 2 Kampfanzeiger, welche es zuvor gilt zusammenzubauen, sind ebenfalls aus stabilem Karton. Aus dünnerem Material sind die 6 beidseitig bedruckten Rassentafeln. Insgesamt gibt es 84 Karten in normaler Größe, welche sich aus 16 Einflusskarten, 42 Strategiekarten, 12 Bündnis-Vorteilskarten, 8 Hinterlistkarten und 6 Übersichtskarten zusammensetzen. Im kleineren Kartenformat gibt es noch 36 Karten, das sind 30 Verräterkarten und 6 Bombardierungskarten. Der Schlachtschiffverband besteht aus Kunststoff und setzt sich aus 3 Kampfschiffen, 2 Kreuzern sowie 5 Plastikständern und einem Plastiksockel zusammen. Selbstverständlich liegt auch ein Regelheft der Spielschachtel bei.

Das Regelheft umfasst 32 Seiten und liegt, wie das komplette Spiel, nur in deutscher Sprache vor. Neben der Materialauflistung beinhaltet das Regelheft den Spielaufbau und den Spielablauf. Im Spielablauf werden alle 7 Spielphasen ausführlich beschrieben und die Regeln mit aussagekräftigen und umfangreichen Beispielen verdeutlicht. Klarstellungen, Erläuterungen und optionale Regeln runden den Regelteil ab. Abschließend bietet das Regelheft noch auf 6 Seiten eine Kurzgeschichte über die Geschehnisse in Mecatol City. Die Rückseite des Regelheftes bietet eine kompakte Übersicht über den Ablauf einer Spielrunde, des Kampfes und von oft übersehenen Regeln.

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Spielziel
Rex – Die letzten Tage eines Imperiums bietet gleich mehrere Spielziele, bzw. Bedingungen um das Spiel erfolgreich zu absolvieren. Grundsätzlich gewinnt man das Spiel, wenn man als Einzelspieler drei Festungen von Mecatol City kontrolliert. Befindet man sich in einem Bündnis mit anderen Spielern dann müssen mehr Festungen kontrolliert werden. Neben dieser, für alle Rassen gültigen Siegbedingung, können die Sol, Hacan und Xxcha einen Sondersieg erzielen wenn ihre persönliche Siegbedingung erfüllt werden.

Spielvorbereitung
Rex26Bevor man mit Rex – Die letzten Tage eines Imperiums so richtig loslegen kann, sind einige Vorbereitungen notwendig. Sollte dies die erste Partie Rex sein, so müssen zuvor noch die Kampfanzeiger gemäß der Anleitung zusammengebaut werden. Mittels der Plastikverbindungen gestaltet sich der Zusammenbau aber ohne Probleme. Der Schlachtschiff-Verband der Sol-Flotte muss ebenfalls im Vorfeld auf diese Base gesteckt werden. Der eigentliche Spielaufbau wird in zehn Schritten in der Spielregel in Wort und Bild erläutert. Zunächst kommt das Spielbrett auf den Tisch, anschließend wird der Plan mit Einflussmarker und Einfluss- und Strategiekarten bestückt. Weiteres Spielmaterial wird neben dem Spielplan platziert. Nach dem geregelt wurde, welcher der Spieler den Startspieler mimt, werden die Rassen verteilt. Dies kann zufällig oder in Spielerreihenfolge geschehen. Jeder Spieler bekommt nun das Spielmaterial welches zu seiner Rasse gehört. Jetzt werden die Verräter in den Reihen der Anführer der unterschiedlichen Rassen geheim festgelegt, dies ist für den späteren Spielablauf ein wichtiger Faktor.

Bevor die Startaufstellung gemäß der jeweiligen Rassentafel vollzogen wird, wird noch der Schlachtschiff-Verband auf den Spielplan gestellt und jeder Spieler bekommt eine geheime Strategiekarte, sowie Einfluss gemäß seiner Aufbauvorschriften. Jetzt werden die Einheiten platziert und dann kann das Spiel beginnen.

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Spielablauf
Eine Partie Rex – Die letzten Tage eines Imperiums wird maximal über acht Runden gespielt. Jede Runde unterteilt sich in sieben Phasen. Jede dieser sieben Phasen wird erst komplett von allen Spielern abgehandelt, bevor mit der nächsten Phase fortgefahren wird. Einfluss in Form von Einflussmarkern stellt die wichtigste Ressource im Spiel dar. In der ersten Phase werden neue Einflussmarker auf den Spielplan gelegt. In den folgenden Phasen bieten die Spieler mittels ihres Einflusses um neue Strategiekarten, rekrutieren neue Einheiten, manövrieren bestehende Einheiten über den Spielplan und bringen neue Einheiten aus dem Rekrutierungsbereich ins Spiel. Bevor die ausliegenden Einflussmarker eingesammelt werden können, müssen gegebenenfalls noch Kämpfe in Bezirken, wo von mindestens zwei Spielern Einheiten stehen, ausgetragen werden. Schlussendlich bewegt sich der Schlachtschiff-Verband der Sol-Föderation über den Spielplan und bombardiert ungeschützte Bereich von Mecatol-City.

Während der Einflussphase kann es zu zwei besonderen Ereignissen kommen. Die Karte Sol-Angriff stellt eine Bombardierung abseits der eigentlichen Bombardierungsphase dar und alle von dem Sol-Angriff betroffenen Einheiten müssen vom Spielplan entfernt werden. Bei der Karte Vorübergehender Waffenstillstand kommt es zu einem wichtigen Prozess im Spiel Rex – Die letzten Tage eines Imperiums; jeder Spieler hat nun die Möglichkeit Bündnisse mit seinen Mitspielern einzugehen oder bereits bestehende Bündnisse aufzukündigen. Weiterhin lässt sich nur, während diese Karte aktiv ist, Einfluss unter den Spielern tauschen. Maximal können sich drei Spieler in einem Bündnis zusammentun. Um ein Bündnis zu visualisieren, tauschen die Spieler ihre Bündnis-Vorteilskarten untereinander aus. Wie der Name schon sagt, erlangen die Mitglieder eines Bündnisses gewisse Vorteile durch ihre Bündnispartner. Geschlossene Bündnisse haben mindestens bis zur nächsten Karte Vorübergehender Waffenstillstand bestand.

Kommt es zu einem Kampf auf dem Spielplan, so ist nicht nur die Anzahl der im Kampf eingesetzten Einheiten ausschlaggebend, sondern mitunter auch eventuelle Verräter in den Reihen des Gegners oder eingesetzte Strategiekarten. Strategiekarten können offensiver oder defensiver Natur sein und zielen meist auf den Anführer des Gegners ab. Einmal eines Anführers beraubt, sei es durch eine Verräter- oder eine Strategiekarte, muss der betroffene Spieler mit verminderter Kampfkraft den Ausgang des Kampfes abwarten. Letztendlich muss der Verlierer eines Kampfes alle seine Einheiten aus dem Bezirk entfernen, während der Gewinner lediglich die im Kampf eingesetzten Einheiten verliert.

Wer sich alle Regeln gerne im Vorfeld in Gänze zu Gemüte führen möchte, der findet diese auf der Homepage des Heidelberger Spielverlags.

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Fazit
Das Spielmaterial entspricht mal wieder dem gehobenen Standard der Spiele von Fantasy Flight Games. Einzig der Hintergrundtext auf den Rassetafeln ist ob der Fülle an Informationen doch sehr klein ausgefallen. Der Text trägt aber auch mehr zur Atmosphäre als zum eigentlichen Spielgeschehen bei. Wer das Spiel noch ansprechender visualisieren möchte, der kann die Schlachtschiffe der Sol-Flotte bemalen und von ihrem tristen Grau erlösen, aber auch so macht der Schlachtschiffverband eine gute Figur wenn er über die Bezirke der Stadt bewegt wird.

Die Spielregeln sind gut strukturiert und die teilweise sehr umfangreichen Beispiele und Beschreibungen von Spielsituationen lassen keine Frage offen. Ohne Frage setzt ein Spiel wie Rex – Die letzten Tage eines Imperiums einiges an Einarbeitung voraus, auch hat man nicht alle Facetten direkt nach dem ersten Spiel verinnerlicht.

Bei Rex – Die letzten Tage eines Imperiums muss man stets aufmerksam und wachsam sein. Ein vermeintlich kleiner Spielfehler kann in einer Niederlage resultieren. Neben dem Erreichen des Spielziels darf man nicht die anderen Spieler aus den Augen lassen. Ein neues Bündnis kann die Ausgangslage schnell verändern und plötzlich steht man quasi mit dem Rücken zur Wand. Rex – Die letzten Tage eines Imperiums lebt von Diplomatie, Verrat und unsicheren Bündnissen. Auch die Sonderziele der Sol, Hacan und Xxcha können zum Schluss einem noch den Sieg entreißen. Mit diesen Mechanismen sorgt Rex – Die letzten Tage eines Imperiums jedoch auch dafür, dass man sich mit jeder Partie neu einstellen muss, Langzeitspaß ist somit garantiert.

Etwas Zeit muss man für Rex – Die letzten Tage eines Imperiums schon mitbringen, mit 2-3 Stunden Spielzeit ist es sicherlich kein Spiel für Jedermann, auch das Setting spricht sicherlich nicht jeden an. Wer sich jedoch für all diese Faktoren begeistern kann, bekommt ein Spiel mit einer dichten Atmosphäre und tollen Spielmechanismen.

 

 

Ich danke dem Heidelberger Spieleverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: Rex - Die letzten Tage eines Imperiums
Autor: Corey Konieczka, John Goodenough
Grafik: Brian Schomburg
Verlag: Heidelberger Spieleverlag
Anzahl: 3-6 Spieler
Alter: ab 14 Jahre
Dauer: ca. 120-180 Minuten
Jahr: 2012
Preis:
ca. 38 Euro (Stand 19.08.2013)